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Ostbelgiens hervorragende wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2007 weiter stabilisiert

Ergebnisse der Konjunkturumfrage 2007-2008 der Industrie- und Handelskammer Eupen-Malmedy-St. Vith


Eine gute Weiterbildung bleibt ein Muss bei der Positionierung des Unternehmens im regionalen und internationalen Wettbewerb.

Konjunktur weiter auf hohem Niveau

von Manfred Wirtz und Volker Klinges

Die hervorragende wirtschaftliche Entwicklung hat sich im Jahr 2007 weiter stabilisiert. Diese Einschätzung der ostbelgischen Wirtschaftslage kann aufgrund der Auswertung der Konjunkturumfrage für das Jahr 2007, an der sich rund 155 privatwirtschaftliche Unternehmen mit über 6.300 Beschäftigten beteiligten, geschlussfolgert werden.  Nach der konjunkturellen Eintrübung zu Beginn dieses Jahrzehnts hat sich seit 2003 die wirtschaftliche Tätigkeit stetig verbessert und in 2006 zu einer boomenden Geschäftslage geführt, wodurch eine weitere Steigerung aufgrund von Kapazitätsengpässen und Fachkräftemangel kaum noch möglich war.  Die Regionalwirtschaft hat sich in 2007 auf diesem hohen Niveau gehalten.  90 % der ostbelgischen Unternehmen, die sich an der Konjunkturumfrage beteiligt haben, bezeichnen den Geschäftsverlauf des gesamten Jahres 2007 als "gut bis zufriedenstellend". Zu einer schlechten Bewertung der Geschäftslage 2007 kommen nur 2 % der befragten Unternehmen.  

Dynamik in allen Sektoren
Gegenüber dem hervorragenden Jahr 2006 zeigte der Wirtschaftstrend in vielen ostbelgischen Betrieben 2007 weiter nach oben : für 60 % der Unternehmen konnte das Jahr 2007 besser als das Vorjahr abgeschlossen werden, während 14 % über einen schlechteren Verlauf gegenüber 2006 klagen.  Die Ertragslage konnte bei 55 % verbessert werden. Gleichzeitig informierten 11 % über gesunkene Erträge.  Das Baugewerbe nimmt weiterhin die Spitzenposition im regionalen Konjunkturgefüge ein.  Das Konjunkturbarometer erreicht bei der Bewertung der Geschäftslage 2007 den höchsten Wert  von 100 % in der Baubranche.  Der Handel folgt mit einem Wert von über  91 %.  Doch auch bei den Dienstleistern und  in der Industrie ist Optimismus angesagt.  Das Konjunkturbarometer liegt für die Dienstleistungsbranche bei knapp 90 % und im produzierenden Gewerbe bei 87 %. Der Umfang der Investitionen gegenüber dem Vorjahr konnte 2007 weiter angehoben werden.  Rund 42 % der ostbelgischen Unternehmen, vor allem in der Industrie und in Baufach, haben ihre Investitionen weiter erhöht.  

Industrie gut ausgelastet
Die Geschäftslage 2007 gestaltet sich im sekundären Sektor positiv.  Dies spiegelt sich in hohen Auslastungsgraden der Produktionskapazitäten sowie positive Entwicklungen von Umsätzen und Erträgen wider.  35 % vermelden Vollauslastung und bei weiteren 43 % sind die Produktionskapazitäten zu mehr als 75 % ausgelastet.  Auch hinsichtlich der Auftragseingänge lässt sich keine Verschlechterung der konjunkturellen Dynamik feststellen : 60 % der Befragten konnten im Laufe des Jahres 2007 steigende Auftragseingänge verzeichnen, während nur 11 % eine rückläufige Entwicklung feststellen mussten.  Es sind ausschließlich KMU des produzierenden Sektors, die mit rückläufigen Auftragseingängen, vorrangig aus dem Ausland, zu kämpfen haben.  Die produzierenden Betriebe der Metall- und der Glasverarbeitung, der Textilindustrie und der Holzbearbeitung sprechen, mit wenigen Ausnahmen, von einem ausgezeichneten Jahr 2007. Das Druckereigewerbe bewertet das Jahr 2007 ebenfalls mit einem “gut”.  Die Chemie und die Gummi- und Kunststoffwarenherstellung sowie die Nahrungsmittelindustrie melden zufriedenstellende Geschäfte in 2007.



Die Bauunternehmen erfreuen sich weiter guter Geschäfte.  Die im gewerblichen Bau getätigten Investitionen haben 2007 per Saldo zugenommen während bei der öffentlichen Hand und in den Privathaushalten die Auftragserteilung zugunsten der Baubranche zumindest stabil geblieben ist.  50 % der teilnehmenden Unternehmen des Baufachs waren voll und 40 % mindestens zu 75 % ausgelastet und 90 % berichten von einem derzeitigen Auftragsbestand für die ersten sechs Monate 2008.

65 % der Handelsbetriebe schätzen ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut, 26 % als befriedigend und keines als schlecht ein.  Besonders zufrieden zeigt man sich im Einzelhandel.  77 % der Händler informieren über ein kauffreudiges Verhalten ihrer Kundschaft. Der Kfz-Handel, der Verkauf von Holz und industriell genutzten Produkten verzeichnen gute Zahlen während die Möbelbranche und der Sanitär- und Heizungsbereich ihre Lage verhaltener einschätzen. Drei von vier Handelsbetrieben planen eine Anhebung ihrer Verkaufspreise in 2008.

Zwei Drittel der unternehmensorientierten Dienstleister geben ihrer Geschäftslage in 2007 ein “gut”.  Im Vergleich zum Jahr 2006 wiesen 61 % auf gestiegene Umsätze und 42 % auf bessere Erträge hin.  Es sind vorrangig die Dienstleister des Finanz- und Versicherungssektors, die EDV- und Medienunternehmen, die Steuer- und Unternehmensberater, die in 2007 eine starke Konjunktur gekannt haben.  Der Horeca-Bereich und die Verkehrsdienstleister, vor allem der Warentransport, dagegen schätzen ihre Geschäftslage mit nur befriedigend ein und bestätigen ihre zurückhaltende Position von 2006.

Arbeitsmarkt entlastet
Die Einstellungsbereitschaft der Betriebe ist weiterhin gegeben.  34 % stellten 2007 neue Mitarbeiter ein und nur 9 % der befragten Unternehmen reduzierten ihr Personal im abgelaufenen Jahr.  58 % veränderten den aktuellen Personalbestand nicht. Wie bereits im Vorjahr meldeten die teilnehmenden Unternehmen beinahe 110 offene Stellen, die z.Z. unbesetzt bleiben.  Die Arbeitslosigkeit konnte infolge des Personalaufbaus in 2007 weiter gesenkt werden. Die Arbeitslosenrate in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die Dezember 2005 bei 8,1 % lag, reduzierte sich auf 7,2 % in Dezember 2007.  Vor dem Hintergrund der guten Geschäftserwartungen will jedes dritte Unternehmen auch in 2008 einstellen.  Die Formel ist denkbar einfach : mehr Wirtschaftswachstum bedeutet mehr Arbeitsplätze.

Weiterbildung ein Muss
Qualifikation und Weiterbildung der Mitarbeiter sind von entscheidender Bedeutung bei der Positionierung des Unternehmens im regionalen und internationalen Wettbewerb.  Erstens ist die demographische Entwicklung ein wesentlicher Grund. Bekanntlich wird es immer schwieriger, gute Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden.  Weiterbildung kann ein Königsweg sein, gute Leute an das Unternehmen zu binden.  Ein zweiter Grund ist der steigende Wettbewerbsdruck.  Nur wenn man besser, schneller und innovationsfähiger ist als sein Wettbewerber, kann man am Markt überleben.  Um das zu schaffen, müssen die Mitarbeiter qualifizierter und kreativer sein.  39 % der hiesigen Betriebe investieren zwischen 2 und 5 % der betrieblichen Arbeitszeit in Weiterbildung.  Bei mehr als 7 % der Unternehmen liegt die Weiterbildungsquote sogar über 5 %.



Altersstruktur im Auge halten
Der demographische Wandel führt unweigerlich zu einer Veralterung der aktiven Bevölkerung.  Für viele Betriebe stellt sich daher die Frage, wie sie den bevorstehenden Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel meistern und mit ihren alternden Belegschaften leistungs- und wettbewerbsfähig bleiben können.  Denn der technische Fortschritt verlangt, dass sich Wissen und Können der Mitarbeiter immer schneller anpassen.  Es gilt, die Kompetenzen Älterer weiter zu fördern und mit dem frischen Wissen Jüngerer zu verbinden.  Rund 63 % der befragten Betriebe verfügen aktuell über eine ausgewogene Altersstrukur, da weniger als 15 % der Belegschaft über 50 Jahre alt ist.  21 % weisen jedoch darauf hin, dass die älteren Arbeitnehmer zwischen 15 und 25 % ihres Personalbestandes ausmachen und in weiteren 16 % der hiesigen Unternehmen ist mindestens jeder vierte Beschäftigte bereits älter als 50 Jahre. Die Betriebe sind daher angehalten, die Altersstruktur ihres Unternehmen im Auge zu behalten und bereits heute nach Lösungen zu streben um das betriebliche Wachstum von morgen zu sichern.

Geschäftserwartungen 2008 verlieren kaum an Schwung
Die Geschäftserwartungen 2008 sind im Vergleich zu 2007 weiterhin gut.  54 % der Unternehmen signalisieren eine zumindest gleichbleibend gute Geschäftsentwicklung im Jahr 2008.  Jedes zehnte Unternehmen befürchtet jedoch einen schlechteren Verlauf gegenüber 2007.  Im Jahr 2008 ist weiterhin mit einem Aufbau des Personals zu rechnen, wobei sich das Tempo der Einstellungen etwas abschwächt.  Per Saldo erwarten 25 % der befragten Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten steigende Beschäftigtenzahlen.  Hinsichtlich der Investitionstätigkeit deutet sich eine Verlangsamung des expansiven Kurses der vergangenen Jahre an.    Schlussfolgernd kann mit einer weiter steigenden (ostbelgischen) Wirtschaft in 2008 gerechnet werden. Es existieren jedoch Faktoren, die den Konjunkturschwung bremsen könnten.  Hierzu zählen u.a. die Euro-Stärke für das Exportgeschäft, steigende Rohstoff- und Energiepreise, die schwächelnde internationale Konjunktur sowie weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten.  Sollten sich hinsichtlich dieser Parameter unvorhergesehene und starke Veränderungen ergeben, so werden diese auch den regionalen Konjunkturkurs mit beeinflussen.

(Anmerkung der IHK : die vorhergehenden Angaben geben globale Tendenzen an.  Individuelle, betriebsbezogene Geschäftsentwicklungen können daher von diesen allgemeinen Ergebnissen abweichen).

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