Ergebnisse der Konjunkturumfrage 2007-2008 der Industrie- und Handelskammer Eupen-Malmedy-St. Vith
von Manfred Wirtz und Volker Klinges
Die überwiegende Zahl der Unternehmen in Ostbelgien ist mit Geschäftsjahr 2008 zufrieden. Diese Einschätzung der ostbelgischen Wirtschaftslage kann aufgrund der Auswertung der Konjunkturumfrage für das Jahr 2008, an der sich rund 160 privatwirtschaftliche Unternehmen mit über 5.300 Beschäftigten beteiligten, geschlussfolgert werden. Aufgrund der hervorragenden Ausgangslage hat die Regionalwirtschaft das hohe Konjunkturniveau im Jahresdurchschnitt gegenüber den beiden Vorjahren beinahe gehalten. 87% der ostbelgischen Unternehmen, die sich an der Konjunkturumfrage beteiligt haben, bezeichnen den Geschäftsverlauf des gesamten Jahres 2008 als "gut bis zufrieden stellend" (siehe Grafik). Zu einer schlechten Bewertung der Geschäftslage 2008 kommen nur 6% der befragten Unternehmen.
Deutlicher Abschwung in 2009 Die Geschäftserwartungen 2009 der regionalen Unternehmen haben sich infolge der Turbulenzen auf den Finanzmärkten und ihrer indirekten Auswirkungen auf die Realwirtschaft jedoch dramatisch verschlechtert. Nur noch jedes achte Unternehmen rechnet im laufenden Jahr 2009 mit einem besseren Geschäftsverlauf, mehr als vier von zehn Befragten (43%) erwarten dagegen eine negative Entwicklung. Die nachfolgende Analyse zeigt dabei eine deutliche Branchendifferenzierung.
Produzierendes Gewerbe in großer Sorge 85% der Betriebe des produzierenden Gewerbes geben 2008 im Jahresdurchschnitt die Note „gut bis befriedigend“. Die Ertragslage konnte bei erhöhten Umsätzen in sechs von zehn Betrieben weiter verbessert werden. Die steigende Nachfrage aus dem In- und Ausland in über 42% der Firmen haben dazu beitragen. Nur 22% vermelden gesunkene Auftragseingänge. In beinahe 50% der Betriebe sind die Produktionskapazitäten zu mehr als 75% ausgelastet. 29% vermelden sogar Vollauslastung. 2008 erhöhte jedes dritte herstellende Unternehmen seinen Personalbestand und nur 11% verringerten die Beschäftigung im gleichen Zeitraum. Seit dem Spätherbst 2008 hat das produzierende Gewerbe jedoch einen steigenden Rückgang ihrer Geschäfte verzeichnen müssen und blickt deutlich skeptischer auf die zukünftige Entwicklung. Fünf von zehn Unternehmen schätzen ihre Geschäftsentwicklung im Jahr 2009 negativ ein, nur jedes achte Unternehmen zeigt sich zuversichtlich und hofft mittelfristig auf steigende Geschäftszahlen. Bei den Beschäftigungsplanungen gehen rund 40% der befragten Unternehmen davon aus, ihre Beschäftigtenzahlen konstant halten zu können. Nur noch 21% rechnen mit einer positiven Beschäftigtenentwicklung und 35% befürchten einen Personalabbau. Per Saldo werden also 2009 rund 14% der ostbelgischen Industriebetriebe die Zahl der Beschäftigten voraussichtlich senken. Jedes dritte Unternehmen informiert über fallende Investitionsneigungen im laufenden Jahr. Vor dem Hintergrund des schwachen internationalen wirtschaftlichen Umfeldes und der unklaren Perspektiven überwiegt folglich die Zahl der Pessimisten die der optimistisch in die Zukunft blickenden Unternehmer des verarbeitenden Gewerbes.
Zufriedener Handel für 2008 68% des Groß- und Einzelhandels bewertet seine Geschäftslage 2008 als “gut” und weitere 26% als zufrieden stellend. Bezüglich ihrer Umsatz- und Ertragsentwicklung in 2008 zeigen sich die befragten Handelsunternehmen mehrheitlich zufrieden. Per Saldo berichten über 30% von einem besseren Verlauf gegenüber dem Jahr 2007. Zwei von drei Händlern berichten von einem kauffreudigen Verhalten ihrer Kundschaft im abgelaufenen Geschäftsjahr. Die Rezession erreicht aber auch den Handel, da jeder zweite Händler im Jahr 2009 rückläufige Geschäfte prognostiziert. Nur noch 12% erhoffen sich erhöhte Umsatzzahlen in 2009. Jedes vierte Handelsunternehmen spricht von verhältnismäßig hohen Lagerbeständen. In 35% der Unternehmen sind steigende Verkaufspreise die Antwort auf die erwartete schwächere Nachfrage. Zwei Drittel der Händler werden ihre Preise im laufenden Jahr konstant halten oder sogar senken. Vor dem Hintergrund des angespannten Arbeitsmarktes werden nur wenige Handelsunternehmen ihren Personalbestand reduzieren (9%). 12% der Handelsunternehmen wollen überraschenderweise voraussichtlich ihre Mitarbeiterzahl sogar erhöhen. Dagegen werden bei den meisten Händlern Investitionsprojekte auf Eis gelegt und nur 8% planen erhöhte Investitionen in 2009.
Stabiles Niveau bei den Dienstleistern 85% der befragten Dienstleistungsunternehmen bezeichnen die Geschäftslage 2008 als gut bis befriedigend. Ausnahme bildet der Transportsektor, der mehrheitlich eine ungenügende Geschäftsentwicklung bereits in 2008 vor dem Hintergrund einer steigenden ausländischen Konkurrenz gekannt hat. Mehrheitlich (54%) gehen die Dienstleister in 2009 von einer unveränderten Geschäftsentwicklung aus. Die Erwartungshaltungen für 2009 sind aber auch bei den Dienstleistern per Saldo negativ. 13% dieser Firmen informierten über eine erwartete verbesserte Lage ihrer Geschäfte gegenüber 34% mit verschlechterten Geschäftszahlen. Vor allem diejenigen, die vom produzierenden Gewerbe direkt abhängig sind, rechnen mit einer ungünstigeren Lage in den kommenden Monaten. Hierzu zählen die Transportunternehmen, der Sektor der Leiharbeit, aber auch die hiesigen Beschützenden Werkstätten, die Zulieferdienstleistungen für die Industrie erbringen. Per Saldo wird der Dienstleistungsbereich seinen Personalbestand voraussichtlich konstant halten. Die Investitionsneigung ist für 2009 ebenso schwach einzustufen. Die Hälfte der Unternehmen des tertiären Sektors wird in 2009 ihren Investitionsumfang nicht verändern und die Anzahl der Unternehmen mit verstärkter Investitionsneigung (22%) liegt niedriger als diejenige der investitionsschwachen Dienstleister (26%).
Gute Geschäftslage der Bauwirtschaft Beinahe jedes zweite im Baufach tätige Unternehmen kann auf eine gute Geschäftsentwicklung in 2008 zurückblicken. Weitere 40% der befragten Bauunternehmen beurteilen ihre Geschäftslage im Jahr 2008 mit "befriedigend". Die gut bewertete Geschäftslage der Unternehmen spiegelt sich in einer günstigen Auslastung der Maschinen wider. 60% der Unternehmen sprechen von einer Auslastung von mindestens 75% und 20% sogar von Vollauslastung. Bei den Bauunternehmen zeigt sich die Beschäftigungssituation unverändert. 80% veränderten den Personalbestand nicht, 13% der befragten Baubetriebe erhöhten und 7% reduzierten ihr Personal im abgelaufenen Jahr. Die Investitionsausgaben dagegen entwickelten sich positiv. Vier von zehn Unternehmen der Bauwirtschaft erhöhten in 2008 ihre Investitionen, wobei diese teilweise zum Zweck des Ersatzbedarfs oder für Rationalisierungsmaßnahmen getätigt wurden. Der Bausektor sieht das Geschäftsjahr 2009 verhalten. Per Saldo erwarten in 2009 rund 20% eine schwierigere und jedes zweite Unternehmen eine konstante Geschäftsentwicklung. Die Perspektive aufgrund der Auftragseingänge für 2009 zeigt auf, dass für 33% der derzeitige Auftragsbestand unter 3 Monate liegt und für weitere 60% zwischen 3 und 6 Monaten. 7% vermelden bereits ein Auftragsvolumen von 6 bis 12 Monaten. Sowohl im Hinblick auf die Beschäftigungsentwicklung als auch auf die Investitionsneigung zeichnet sich ein vergleichbarer Trend in dieser Branche wie im abgelaufenen Jahr 2008 ab. 13% planen für das Jahr 2009 Personalerhöhungen, 60% erwarten einen unveränderten Personalbestand, von einer weiteren Reduzierung des Personalbestandes sprechen rund 27% der Betriebe. Die Investitionszurückhaltung ist im Jahr 2009 etwas ausgeprägter. 20% der befragten Unternehmen wollen ihre Investitionen weiter steigern. 67% der Firmen planen zunächst, ihr Investitionsvolumen zu halten und 13% werden weniger investieren.
Fazit Die letzten Jahre waren von teilweise überdurchschnittlichen Zuwachsraten der Konjunktur gekennzeichnet. Gerade eine offene Wirtschaft wie die Belgiens oder auch Ostbelgiens waren die größten Nutznießer dieser überaus positiven Entwicklung auf weltwirtschaftlicher Ebene. Welche Wunden die gegenwärtige Krise in (Ost-)Belgien mit seinem bedeutenden Außenhandelsanteil schlagen wird, hängt in besonderem Maße vom internationalen Wirtschaftsklima ab. In der aktuellen Lage aber eine verlässliche Prognose für die zukünftige Entwicklung auf nationaler und internationaler Ebene zu geben, gestaltet sich schwierig. Die Auftragsnachfrage bricht auf weltweiter Ebene zusammen. Die Perspektiven für 2009 sind nicht nur für Europa und den USA, sondern auch in Asien und den Schwellenländern deutlich zurückgegangen. Positiv für die weitere konjunkturelle Entwicklung sind u.a. die verschiedenen Konjunkturprogramme der öffentlichen Hand, der deutliche Rückgang der Rohstoff- und Energiepreise und die damit einhergehende niedrigere Inflationsrate, die wiederum durch die automatische Bindung moderat auf die Lohnentwicklung in 2009 einwirken wird. Sicher ist jedoch, dass auch unsere Region vom starken Konjunktureinbruch nicht unverschont bleibt. Dies belegen die vorliegenden Resultate der Konjunkturumfrage 2008-2009.
(Anmerkungen der IHK: 1. Die vorhergehenden Angaben geben globale Tendenzen an. Individuelle, betriebsbezogene Geschäftsentwicklungen können daher von diesen allgemeinen Ergebnissen abweichen - 2. Die Grafiken wurden in Zusammenarbeit mit GoEast (Erwin Kirsch Design) realisiert)